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Herstellung und Verwendung von "Ochsenblut" als Farbanstrich

Quelle: Fragebogen zur Datei Verfahren des FBJ, 1987

Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB B0135;
Schlagwörter zum Inhalt:
Anstrichstoff
Blut
Blutwasser
Ochsenblut
Kalkserum
Serum
Anwendung
Rezept
Herstellung
Zusammensetzung
Dauerhaftigkeit


Allgemeines:
Bis in die heutige Zeit wurde vielfach angenommen, daß Ochsenblut früher als komplettes Anstrichmittel (Pigment und Bindemittel) verwendet wurde. Versuche haben jedoch gezeigt, daß reines frisches Ochsenblut nach einem Jahr Bewitterung kaum noch zu erkennen ist. Unbewittert behält der Ochsenblutanstrich für einige Zeit einen rostroten Farbschimmer. Tatsächlich bestand das sogenannte Ochsenblut aus Kalk (Staubkalk), pulverisierter Farbe und Rinderblutserum.

Herstellung und Verwendung:
Herstellung von Anstrichstoffen auf der Bindemittel-Grundlage Blutwasser (Serum). Quelle: Hüttmann, L., Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, Bd.18, 1842.
Acht Pfund unverdichteter pulverisierter und durch ein Sieb geschlagener Kalk und zwei Pfund pulverisierte Farbe, die dem Kalk die gewünschte Färbung gibt, werden mit sechs bis sieben Berliner Quart Blutwasser (Serum) angemacht. Das Serum erhält man, indem man das Blut der geschlachteten Tiere in ganz sauberen Behältern auffängt und diese für vier bis fünf Stunden an einen kühlen Ort stellt. Danach hat sich das farblose Serum vom Blutkuchen getrennt und kann vorsichtig abgegossen werden. Man kann das Verhältnis des Kalks vermehren; aber das Gewicht der pulverisierten Farbe darf nicht mehr als ein Viertel des Kalkgewichtes betragen. Das Pulverisieren des Kalks kann entfallen, wenn man den Kalk mit so wenig Wasser als möglich frisch löscht und durch ein Sieb schlägt.
Die Dauerhaftigkeit einer angesetzten Mischung wird durch das Serum bestimmt. Angemachte Farbe muß am selben Tag verarbeitet werden.
Da die Mischung aus Kalk und Serum während des Anstreichens oft eine zu dicke Konsistenz erhält, muß stets Serum zur Verdünnung vorhanden sein.
Nach ein bis drei Anstrichen und nachfolgender Trocknung kann die Farbe weder durch Reibung noch durch Abwaschen mit Wasser entfernt werden.
Diese Anstrichart erfordert die größte Reinheit bei allen Teilen. Pinsel und Gefäße müssen jeden Tag gereinigt werden.

Beispiel:
Haus "Zum Anker" in Frankfurt-Höchst. Dort existiert großflächiger Innen- und Außenbefund von 1481/1482 mit "Ochsenblut"-rotem Holz.


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