Stromer, W. v.;
Quelle: Steinbrücken in Deutschland, 1988
ISBN: 3-7640-0240-9
Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB 33/89-1;
Brücke
Naturstein
Steinbrücke
Historisch
Planung
Statik
Pfahlgründung
Schrägpfahl
Widerlager
Lehrgerüst
Die Fleischbrücke bildet den wichtigsten und bekanntesten Übergang über die Pegnitz. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war die Brücke sowohl von städtischer als auch überregionaler Bedeutung. So kreuzten sich in Nürnberg z. B. sieben europäische Fernhandelsstraßen, mit der Fleischbrücke als Knotenpunkt. Im Bereich der Fleischbrücke lag auch die früheste Überbrückung über die Pegnitz, die urkundlich erstmals 1335 erwähnt wurde. Die Konstruktion der Holzbrücke ist nicht überliefert.
Vorläuferin der heutigen Fleischbrücke:
1484 ließ die Stadt an die Stelle der Holzkonstruktion eine steinerne Brücke errichten. Da aus Gründen des Verkehrs die Fahrbahn bis zum Scheitel in der Brückenmitte nur wenig ansteigen durfte, erstellte man zwei ziemlich flache Kreissegmentbogen. Die Bogen hatten eine Stützweite von rund 12,80 m und eine Pfeilhöhe von rund 3 m. Der ungefähr 3 m breite Mittelpfeiler besaß am Pfeilerkopf einen keilförmigen Eisbrecher. Der Durchflußquerschnitt der Pegnitz wurde durch die Brücke auf 25,5 m eingeengt. Die Dicke der Bogen war im Scheitel ziemlich gering, die Brüstungsmauern aus massiven Quarzitquadern. Auf den Brüstungen über dem Pfeiler befanden sich Fachwerk-Erkerchen mit Spitzgiebeldach. Pfeiler und Widerlager waren auf Holzpfählen gegründet, die Widerlager noch etwa rund 7,60 m in das Ufer hineingebaut. Das nördliche Widerlager fiel zum Markt hin ab. Durch die Einengung des Flußquerschnittes stauten sich Hochwasser bzw. Eisschollen mehrfach an der Brücke. 1595 wurde die Brücke durch Hochwasser schwer beschädigt. Aufgrund von Unterspülungen der Pfeiler und Widerlager mußte die Brücke abgetragen werden.
Planungsvorgaben für den Neubau der Fleischbrücke 1596-1598:
Durch die Enge des Flußbettes und der Uferbebauung bedingt, kam nur eine einbogige Brücke in Betracht. Wegen der Bebauung an den Zufahrten und des Fahrverkehrs durfte die Brückenkonstruktion keine starke Steigung und keine langen Auffahrtrampen aufweisen. Da der Fluß für die Bauarbeiten weder umgeleitet noch abgesenkt werden konnte, mußte der Bogen der Brücke den Fluß möglichst flach überspannen. Daraus folgte, daß die im sumpfigen Baugrund zu erstellenden Widerlager einen großen Horizontalschub aufzunehmen hatten. Beide Ufer waren verschieden hoch. Die Brücke sollte aber von den anderen Brücke gesehen eine möglichst harmonisch-symmetrische Gestalt aufweisen.
Entwicklung des Planungskonzeptes:
Ein 1595 für die Fleischbrücke durchgeführter Entwurfswettbewerb und Pläne, Entwürfe usw. der Rialtobrücke in Venedig brachten zwar wichtige Anregungen für den Bau, aber keine tragbaren Lösungen für die speziellen Probleme. Bei der Entwicklung, Planung und Bausausführung arbeiteten unter anderem mit: Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer, Mathes Pfeffer (Bauleiter), Zimmermeister Mathes Herdegen, Peter Carl und Hans Schweher, Steinmetzmeister Jacob d. Ä. Wolff, assistiert von seinem Sohn Jacob d. J., Pflastermeister Conrad Becherer, Bauschreiber Friedrich Ziel, Planzeichner Wolf Eisenmann. Zu den eigens für die Brücke entwickelten Problemlösungen gehören:
- Abbruch und Gründung: Die Gerüste für die Abbrucharbeiten entwickelte Herdegen, die Pfahlgründung entwarf Carl. Um den Horizontalschub aufzufangen, schlug Carl Roste mit Schrägpfählen vor. Eigens für die Pfähle wurden geeignete Rammbärmaschinen entwickelt.
- Bogen und Lehrgerüst: Bogenform und Lehrgerüst wurden in mehreren Entwürfen und Modellen durchgespielt. Die Entwürfe varierten von einer Pfeilhöhe von etwa 4,90 m und einer Sehne von rund 24,30 m bis zu einer Pfeilhöhe von ungefähr 3,60 m. Da das Risiko hierfür zu groß erschien, kam man auf eine Pfeilhöhe von cirka 4,25 bei einer Stützweite von knapp 27 m. Das von Carl für diesen Bogen entwickelte Lehrgerüst war auf einem auf fünf Pfahlreihen im Flußbett stehenden Notsteg zu errichten. Es konnte durch Nachkeilen die geplante Bogenführung eingermaßen einhalten. Durch Herausschlagen von Keilen nach Bogenschluß war es so absenkbar, daß sich hierbei niemand unter dem Bogen aufhalten mußte. Der enorme Horizontalschub des Bogens (Kreissegment von einem Fünftelkreis, geschätztes Gewicht des Bogens 2325 Tonnen) und der unsichere Untergrund machten gewaltige Widerlager notwendig. Die Entwürfe des Wettbewerbs sahen hierfür das übliche waagerechte Mauerwerk vor. Ein Entwurf von Wolff sah in Verlängerung des Bogensegments zum Halbkreis eine radiale Schichtung vor. Stromer entschloß sich, die gesamten Steinschichten der Widerlager schräg anzuordnen (parallel zum letzten Radius des Brückenbogens am Kämpfer), ebenso zum Abschluß der Widerlager die Roste für die Schrägpfähle.
Zugehörige Fakten:
- Beschreibung
- Bauausführung
- Daten
Fakten-Nr.: 1988017185592 Schlagzeile: Daten der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke Faktentext: Daten der Brücke: Baujahr: 1598 Überführt: Gemeindestraße Unterführt: Pegnitz Nächster Ort: Nürnberg Baulast: Stadt Nürnberg Unterhaltungslast: Stadt Nürnberg Unterhaltungsamt: Stadt Nürnberg; Hauptamt für Tiefbauwesen Tragfähigkeit: Brückenklasse 30 (DIN 1072) - Krauß, Karl: Vom Materialwissen und den Bautechniken der alten Baumeister. Zugehörige Fakten: - Beschreibung - Vorgeschichte und ...
Vorgeschichte und Planung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke
Fakten-Nr.: 1988017185590 Schlagzeile: Vorgeschichte und Planung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke Faktentext: Die Fleischbrücke bildet den wichtigsten und bekanntesten Übergang über die Pegnitz. Bei der Entwicklung, Planung und Bausausführung arbeiteten unter anderem mit: Ratsbaumeister Wolf-Jacob Stromer, Mathes Pfeffer (Bauleiter), Zimmermeister Mathes Herdegen, Peter Carl und Hans Schweher, Steinmetzmeister Jacob d. Ä. Wolff, assistiert von seinem Sohn Jacob d. J., ...
Beschreibung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke
Fakten-Nr.: 1988017185589 Schlagzeile: Beschreibung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke Faktentext: Objektbeschreibung: Die 1598 erbaute Brücke besteht aus einem Bogen von etwa 66 Grad. Die lichte Weite des Bogens beträgt 27 m, die Pfeilhöhe 4 m und der Halbmesser im Mittel 24,50 m. Der höchste Punkt der Brücke liegt über dem Scheitel des Bogens. Baumaterial: Der für den Bau der Brücke benötigte Sandstein wurde am Kornberg bei Wendelstein gebrochen.
Bauausführung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke
Fakten-Nr.: 1988017185591 Schlagzeile: Bauausführung der Pegnitzbrücke Nürnberg - Fleischbrücke Faktentext: Gründung: Zur Verdichtung des Baugrundes wurden 1596 insgesamt 2123 doppeltmannslange Pfähle, hiervon 400 Schrägpfähle, in den Untergrund gerammt. Die für die Pumpen benötigte Wasserkraft übertrug man mit Hilfe einer Stangenkunst von einem Mühlrad der stromabwärts gelegenen Pfannenmühle. Erstellung der Widerlager: 1597 errichtete man das Widerlager auf dem sumpfigen, zum Hauptmarkt hin ...
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