Nothdurft, W.;
Quelle: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 1990
ISSN: 0720-9835;
Standort in der IRB-Bibliothek: DEIRB Z 1642;
Das Hildesheimer Rathaus, dessen Ursprünge wohl ins 13. Jahrhundert reichen (noch erhalten: Gewölbekeller und ein Teil der aufgehenden Mauern), wurde im Jahr 1945 durch Bombardierung schwer beschädigt. Stehengeblieben waren der Ratskeller, die Außenwände und die Flankenwände der mittleren Halle. Beim Wiederaufbau stellte sich zunächst die Frage, ob man die 1883-1892 von Stadtbaumeister G. Schwartz geschaffene neugotische Gestaltung des Bauwerks berücksichtigen solle. Bei der Vorlage des Konzeptes für die Neugestaltung im Jahre 1949 durch den federführenden Stadtbaudirektor Bernhard Haagen waren die neugotischen und historistischen Ergänzungen weitgehend unberücksichtigt geblieben, und das Rathaus erhielt 1950-1954, bei Wahrung der erhaltenen Substanz, ein neues Aussehen:
Unter Beibehaltung des neugotischen Treppengiebels wurde die Firstlinie des hohen Daches quergestellt; die gotische/neugotische Auslucht und der barocke Uhrenturm entfielen - stattdessen wurde der hinter der Auslucht liegende Arkadenbogen wieder in die Fassade und den südnördlichen Arkadengang eingebunden. Die Fassade ist in Sandsteinmauerwerk aufgeführt.
Der Innenausbau ist ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von altem Bestand mit zeitgemäßem Ausbau: Im Erdgeschoss erhielt die zur Lilie orientierte Halle eine offene Glasfassade, die Seitenflure erhalten viel Licht durch die pastellfarbene Buntglasfassade der Halle. Im 1. Obergeschosss befindet sich mittig liegend ein Saal für große Empfänge, dessen Fußboden aus Harzer Dolomitplatten besteht und der eine flache Stahlbetondecke mit kräftigen Unterzügen und leichteren Längsträgern aufweist. Die Seitenflure sind wie im Erdgeschoss angeordnet. Oberhalb der Halle liegt ein Raum, der über eine einläufige Treppe zu erreichen ist. Hier befindet sich ein Renaissanceportal mit Gewände, das zum Zimmer des Oberstadtdirektors führt. Im 2. Obergeschoss wurde der Ratssitzungssaal untergebracht, der durch eine Fensterfront zur Lilie Licht erhält.
Die künstlerische Gestaltung und Ausschmückung wurde von verschiedenen Personen geleistet: In der Halle im 1. Obergeschoss befindet sich eine Wächterfigur von Karl van Dornick und eine Darstellung des Knochenhaueramtshauses von Otto Hohlt. Der Raum oberhalb dieser Halle wurde geschmückt mit Wappenscheiben, die von Breilmann entworfen wurden. Die Holzarbeiten im Ratssitzungssaal sind betont schlicht, aber wirkungs- und stilvoll gestaltet von Innenarchitekt Eichhorn und ausgeführt von Meister Koch; Lampen und einige Wappendarstellungen hat van Dornick gestaltet.
Das Rathaus in seiner gelungenen Verbindung von alter und moderner, Fünfziger-Jahre-Architektur sollte insgesamt denkmalfachlich gewürdigt werden, nicht nur aufgrund seiner alten Bausubstanz.
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