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Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf: Bau- und Restaurierungsgeschichte

Quelle: Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf, 1985

Standort in der IRB-Bibliothek: DEUBA; MONUFAKT;
Schlagwörter zum Inhalt:
Burg
Kapelle
Reliquienkapelle
Sicherung
Sanierung
Steinaustausch
Drainage


Baugeschichte:
Die Matthias-Kapelle wurde nach 1221 als Reliquienkapelle (Kopf des hl. Matthias) erbaut. Die Reliquie brachte wahrscheinlich Heinrich II. von Isenburg-Kobern vom Kreuzgang von Damiette mit. Wallfahrten sind nicht überliefert; die erst 1356 erwähnte Reliquie befindet sich seit dem dritten Viertel des 14. Jhs. nicht mehr in Kobern, heute in Trier.
Die Matthias-Kapelle besteht aus einem sechseckigen Zentralbau mit einem ebenfalls sechseckigen Tambour und weitem Umgang. Noch während der Erbauung wurde eine Apsis an der Ostseite angebaut.

Restaurierungsgeschichte:
- aus dem 18. Jh.Berichte über Instandsetzungsmaßnahmen wegen Baufälligkeit;
- 1725: Erneuerung der Dächer und des Hauptgesimses;
- ab 1819: Pläne für die nötigsten Instandsetzungsmaßnahmen an Dächern, Fenstern, Türen;
- 1836-1838: Drainage in Form eines Steinpflasters, um Ausspülungen an den Grundmauern zu verhindern. Wiederherstellen der beschädigten Verzierungen mit Zement der Firma Koch in Kassel. Ersetzen des alten Lehmputzes durch einen Mörtelputz. Öffnen der großteils vermauerten Fenster im Erdgeschoß, wobei die Kleeblattform hergestellt wurde (Befundlage unklar). Schließen von Türöffnungen zu Fenstern, so dass die heutige regelmäßige äußere Gestalt entstand. Austausch von vier Sandsteinsäulen am Eingang, neue Eingangstür, neues Verfugen, Ausbesserung von Gesimsen und Lisenen.
- 1840-1841: Steinaustausch vor allem an Fehlstellen, vermutlich in großem Maße an Gesimsen, Lisenen und Quadern. Dachausbesserung und Anbringen von Dachrinnen.
- Bis 1844: neuer Fußboden mit Mosaikfliesen von Villeroy und Boch, Mettlach.
Bewertung: Musterbeispiel für die romantisch geprägten Denkmalpflegebestrebungen der ersten Hälfte des 19. Jh. Als Folgeerscheinung jedoch zahlreiche bauliche Mängel.
- 1852-1853: Gegen aufsteigende Feuchtigkeit wurde der schadhafte Innenputz abgeschlagen und das Terrain abgegraben, so daß das Mauerwerk rasch austrocknete. Anbringen von Luftöffnungen im Sockel. Danach durchaus befriedigender Zustand.
- Gegen Risse in Gewölben und Chorbogen wurde 1859/1860 ein eiserner Ringanker oberhalb des Profiles um das äußere Hexagon gelegt.
- 1873: Anbringen einer eisernen Konsole, um die obere Pfette des Dachstuhles zu stützen.
- Nach 1876 Sickerkanäle zur Entwässerung sowie zwei Stützpfeiler.
- Um 1888: Verbesserung der Wasserführung durch weitere Dachrinnen und Abdichten des Entwässerungskanals.
- 1892: Zunahme der Risse, Ausbauchungen und statischen Schäden, verstärkt durch ein Erdbeben. Unter Landbauinspektor Ludwig Arntz ab 1892 Untersuchung der Schadensursache und ihrer Vorgeschichte: Statische Schäden durch unsachgemäßen Einbau von neuen Tuffquadern, so daß der Verband des Mauerwerks geschädigt wurde. Stützpfeiler von 1876 wirkungslos, weil auf Schutt gegründet.
- 1894: Anbau von Strebebögen an vier Kanten des Hexagons. Aussteifen des Dachverbandes mit Horizontalhölzern als Zangenkonstruktion. Aufführen einer Ringmauer, um einen Umgang um die Kapelle zu schaffen. Ergänzung von einzelnen Werksteinen. Innenausmalung. Bewertung: Entwicklung eines Konzeptes aufgrund von Voruntersuchungen. Durch statische Sicherung Schutz vor Einsturzgefahr. Zutaten deutlich als modern erkennbar, handwerklich solide und der historischen Substanz angemessen.
- Um 1932: Entfernung der Dachrinnen, die als historisch unpassend abgelehnt wurden, stattdessen einige steinerne Wasserspeier (L. Mandt). Starke Feuchtigkeitsschäden im Inneren an den Säulen.
- 1959/1960: Ergänzung und Erneuerung zahlreicher Architekturglieder. Erneuerung des Plattenbelages an der Außenseite. Abschlagen des Innenputzes mit Bemalung, Neuverputz mit sparsamer. Beseitigung der Schäden im Innenraum.
- 1971: nach statischem Gutachten von Schumacher/Stengel aus Koblenz sind weder der Ringanker noch die Strebebögen sehr wirksam; Schadensursachen von Gewölberissen: Gewölbedruck und Nachgeben des Steilhanges.
- Nach 1974: Erneuerung der Drainage, was die Feuchtigkeitsprobleme jedoch nicht löste. Verputz des äußeren Bruchsteinsockels. Innenrenovierung.

Literatur:
- B. Hundeshagen, Die Templerkapelle in der alten Burg zu Cobern an der Mosel, Bonn 1820 - Ernst Dronke, Johann Claudius von Lassaulx, Die Matthiaskapelle auf der oberen Burg bei Kobern an der Mosel, Koblenz 1837 - L. Arntz, Burg Cobern an der Mosel, Instandsetzung der Matthiaskapelle, in: Bonner Jahrbücher 100, 1896, S.168-178 - Klaus Rheidt, Die Matthias-Kapelle auf der Oberburg bei Kobern, Historische Sicherungskonzepte und -maßnahmen, in: Klaus Rheidt, Ulrike Wulf, Die Matthias-Kapelle auf der Oberburg bei Kobern; Michael Borrmann, Evangelische Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz, Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte Bd 2, Karlsruhe 1991
(MONUFAKT)





Weitere Kurztexte aus dieser Quelle:

Kurztexte zur Denkmalpflege (7):

Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf: Baumaterial und Bearbeitungsspuren

An allen Flächen der Apsis, des Zentralbaus und an den Strebepfeilern - Sandstein, beigebraune, feingeschichtete, jedoch nicht geschieferte Varietät: z.T. am Portal - Grauwacke, mittelgrau, quarzitisch: vor allem an Strebepfeilerbasen und Fronten, seltener an der Apsis. - Trachyt, hellgrau, feinkörnig mit großen Sanidineinsprenglingen: vereinzelt an Strebepfeilerbasen - Riederner und möglicherweise Weiberner Tuff: spätere Ergänzungsmaßnahmen. 3,5 entspricht Vorgaben für DIN 18550 für Mörtel ...


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Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf: Probenanalysen

Fakten-Nr.: 1988083005701 Schlagzeile: Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf: Probenanalysen Faktentext: Proben: Originalmörtel: Probe I: ausgekratzter Mauermörtel, N-Seite der Apsis, 1,80 m ü. GOK; Probe II: Mauermörtel, E-Seite der Apsis, 1,30 m ü. GOK; Probe II/1: gleiche Stelle wie Probe II, aus 10 cm Tiefe hinter Oberfläche; Probe III: Mauermörtel S-Wand der Kapelle, ca.


Die Matthiaskapelle der Oberburg bei Kobern-Gondorf: Beteiligte an Voruntersuchungen und ersten Maßnahmen

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